Essay Bilse Und Ich Seh

Hans Mayer, 62, lehrt als Professor für deutsche Literatur an der TU Hannover. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehört: „Von Lessing bis Thomas Mann“.

Dieser Briefwechsel macht es Verehrern Thomas Manns nicht leicht. Zwar haben sich mehr Briefe des jüngeren an den älteren Bruder erhalten, da Heinrich Manns Briefe an Thomas bis zum Jahre 1933 als verloren gelten. Nur einige Schreiben, die der Verfasser des "Untertan" vorher als Entwurf formuliert hatte, zeugen in diesen mehr als drei Jahrzehnten -- von der Jahrhundertwende bis zum Exil -- für ihn: freilich machtvoll.

Im übrigen scheint Thomas allein zu dem Älteren zu sprechen: launenhaft, übermütig, gelegentlich boshaft, dann wieder herzlich, fast gefühlvoll. Aber dem Leser ergeht es dabei sonderbar. Heinrich Mann ist stets präsent. Sein Schweigen, zunächst als Verlust und Zufall zu verstehen, ist tönend; es hat Funktion in der merkwürdigen Partitur dieses Briefwechsels. So gewinnt der Leser bei den Briefen nach 1933 nicht den Eindruck, nun erst sei Heinrich Mann vernehmbar geworden. Er war auch vorher stets gegenwärtig. Jeder Brief nämlich von Thomas war gegen den Älteren gleichsam "angeschrieben" worden.

Heinrich Mann hat es gewußt. Auf dem Höhepunkt ihrer öffentlichen und privaten Entzweiung, gegen Ende des Ersten Weltkrieges, in einem Brief, der konzipiert, aber nicht abgeschickt wurde, erläuterte er die Konstellation ebenso hart wie zutreffend: "Du hast, nach allem was ich sehe, Deine Bedeutung in meinem Leben unterschätzt, was das natürliche Gefühl betrifft, und überschätzt hinsichtlich der geistigen Beeinflussung. Die letztere, negativ von Gestalt, ist einseitig von Dir erlitten worden, Du mußt diese Wahrheit schon hinnehmen, es ist keine bloße Schmähung, wie alle die mehr pathetischen als ethischen Wendungen Deines Briefes." Worauf der Briefschreiber auch die eigene Position fixiert: "Was mich betrifft, ich empfinde mich als durchaus selbständige Erscheinung, und mein Welterlebnis ist kein brüderliches, sondern eben das meine. Du störst mich nicht."

So wie er nun vorliegt, bestätigt der Briefwechsel diese Diagnose einer brüderlich-literarischen Beziehung. Jeder Brief Thomas Manns, selbst dort, wo er auf materielle Not eingehen muß, Schwierigkeiten des Exils, Krankheiten, Unglücks- und Todesfälle. Literatur und Politik, steht -- darin völlig adäquat seinem literarischen Gesamtwerk -- unter dem Motto, das als Schlußsatz des autobiographischen Essays "Bilse und ich" schon 1906 formuliert wurde: "Nicht von Euch ist die Rede, gar niemals, seid des nun getröstet, sondern von mir, von mir ..."

Das Gegenmotto, auch ihm darf man es glauben, hätte dann Heinrich Mann in einem Brief vom 30. Dezember 1917 formuliert: "In meinen öffentlichen Kundgebungen kommt kein "Ich" vor, und daher auch kein Bruder. Sie sind in das Weite gerichtet, sehen ab -- wenigstens will ich es so -- von mir, meinem Bürgerlichen, meinem Vorteil oder Nachteil und gelten allein einer Idee. Liebe zur Menschheit (politisch gesprochen: europäische Demokratie) ist allerdings die Liebe einer Idee; wer aber sein Herz so sehr in die Weite hat erheben können, wird es des öftern auch im Engen erwiesen haben."

Darum ist der Hauptvorwurf des älteren Bruders, den er in diesen Briefen gegen den Bruder und Schriftsteller Thomas Mann zu formulieren nicht müde wird, anfangs höflich, dann schroff, schließlich fast liebevoll-ironisch, gegen das -- vermeintlich -- Unseriöse der Existenz Thomas Manns gerichtet. Ein Roman Heinrichs trägt den programmatischen Titel "Ein ernstes Leben". Eben dieser Lebensernst aber wird dem Verfasser des märchenhaften Lustspiel-Romans von der "Königlichen Hoheit" ausdrücklich abgesprochen.

Heinrich geht in jenem Abrechnungsbrief von 1918 so weit, dies menschlich Unseriöse als eigentliche Grundlage der gesamten Schriftstellerei Thomas Manns zu interpretieren: "Dieser Leidenschaft verdankst Du einige enge, aber geschlossene Hervorbringungen. Du verdankst ihr zudem die völlige Respektlosigkeit vor allem Dir nicht Angemessenen, eine "Verachtung", die locker sitzt wie bei keinem, kurz, die Unfähigkeit, den wirklichen Ernst eines fremden Lebens je zu erfassen."

An dieser Antinomie der Brüder und Schriftsteller hat sich auch späterhin nichts geändert, als beide im Zeichen der Weimarer Republik zusammenstanden gegen den Chauvinismus und die erbittert kleinbürgerliche Deutschtümelei. Als sie schließlich in Kalifornien leben mußten, war der Antagonismus zwar in seinen Ausdrucksformen gemildert, aber nicht verschwunden. Die Briefe des nun weltberühmten jüngeren Bruders an den älteren wirken bisweilen etwas gönnerhaft. immer literarisch stilisiert.

Heinrich dagegen hat nun den Bruder entdeckt, muß sich jedoch an den erinnerten, nicht den realen Bruder halten: trotz räumlicher Nähe. Ein erschütternder Brief Heinrichs aus Los Angeles vom 15. April 1942 befürchtet, ein Umzug nach New York werde die Verbindung zu Thomas erschweren: "In New York, wenn ich hingelange, werde ich Dich noch seltener sehen können; schon hier war es zu selten, obwohl ich immer Zeit hätte. Du bist beschäftigt, gewiß mit Leuten obendrein: mich lassen sie in Ruhe, was nichts ausmacht. Nur mit Dir ist etwas versäumt und nicht mehr nachzuholen, oder dies wäre eine unzeitgemäße Vorstellung. Mag sein, daß zuletzt die persönliche Gegenwart zurücktritt hinter die Erinnerungen. Ohne Vorsatz und kaum daß ich weiß warum, habe ich plötzlich angefangen, "Buddenbrooks" zu lesen."

Thomas dagegen schreibt am 31. Juli, auch aus Kalifornien und nach Kalifornien: "Wir haben große Personalnot, unsere Dunklen verlassen uns und neue sind teils unerschwinglich, teils unerträglich. Aber einmal werden wir ja wieder in Ordnung kommen und hoffen, dann Nelly und Dich recht bald einen Abend bei uns zu haben." Dieser Briefwechsel macht es Verehrern Thomas Manns nicht leicht.

Da ist noch mehr. Für den biographischen und auch literarischen Hintergrund des Frühwerks von Thomas Mann nämlich sind seine Briefe an Heinrich von einzigartiger Bedeutung.

Den ersten der erhaltenen Briefe schreibt der 25jährige Thomas Mann nach Abschluß von "Buddenbrooks"; das Manuskript liegt nun beim Verleger Samuel Fischer, aber noch hat der Autor über sein Werk "nichts Neues" gehört; gleichzeitig gratuliert er ein bißchen säuerlich zur Verleger-Reklame für Heinrichs Roman "Im Schlaraffenland". Man lebt in einem Zeitalter der Migränen, ästhetischen Ressentiments und Nervenkrisen, und der junge Thomas Mann, arg auf Modernität erpicht, läßt es sich gesagt sein. Leidenschaften werden durchlitten, genossen und literarisch filtriert, was Schmerzhaftes nicht ausschließt.

Als "Buddenbrooks" endlich angenommen ist, teilt der Verfasser dem älteren Bruder etwas ironisch mit; "Ich werde mich photographieren lassen, die Rechte in der Frackweste und die Linke auf die drei Bände gestützt; dann kann ich eigentlich getrost in die Grube fahren." Im selben Brief aber (13. Februar 1901) hieß es vorher; "Depressionen wirklich arger Art mit vollkommen ernst gemeinten Selbstabschaffungsplänen haben mit einem unbeschreiblichen, reinen und unverhofften Herzensglück gewechselt, mit Erlebnissen, die sich nicht erzählen lassen, und deren Andeutung natürlich wie Renommage wirkt." Es ist schwer, hier vom Bericht über ein "ernstes Leben" zu sprechen.

Allein, die Rechnung geht so einfach nicht auf. Bei dem Manuskript nämlich, dessen Schicksale so sentimental wie kokett referiert werden, handelt es sich um die "Buddenbrooks". Dadurch werden die Briefe des jungen Thomas Mann zwar nicht erfreulicher oder "seriöser". Der Kontrast zwischen dem Schriftsteller Thomas Mann und seinem Werk wird fast überdeutlich. Paradoxer· Zustand: Kaum ein Schriftsteller unseres Jahrhunderts hat sein Werk so stark mit allem gespeist, was ihn das Leben erfahren ließ, wie Thomas Mann. Die in jenem Brief vom Jahre 1901 angedeutete Krise wurde sogleich für den "Tonio Kröger" genutzt, mehr als vierzig Jahre später auch noch für die Geschichte des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn.

Andererseits ist es nahezu unmöglich, eines der wichtigeren Werke Thomas Manns vom Biographischen her zu erschließen. Man ist immer wieder verwundert darüber, daß der reale Mensch, den man nach seinen Briefen und jeweiligen Selbstaussagen beurteilen muß, ein Oeuvre produziert hat, das weit über die privaten Dimensionen hinausragt,

Wer es nicht wüßte, aus diesen Jugendbriefen Thomas Manns könnte ein unkundiger Leser kaum erraten, daß er es mit dem Verfasser der "Buddenbrooks" zu tun hat.

Der Fall des jungen Thomas Mann wird immer sonderbarer. Da ist nicht bloß die Diskrepanz zwischen der privaten und der literarisch-öffentlichen Dimension. Ein junger Mann von 25 Jahren hat diesen enormen Roman zu Ende gebracht: ein in der Literaturgeschichte wohl vergleichsloser Vorgang. Geniale Partituren, geschrieben von Halbwüchsigen: das ist nicht ungewöhnlich. Auch nicht die inkommensurable Jugendlyrik eines Goethe, Keats oder Rimbaud. Die frühen und bitter-süßen Erzählungen Thomas Manns in französischer und russischer Tradition: sie waren adäquat dem seelischen und literarischen Habitus dieses jugendlichen Briefschreibers. Aber ein Werk von der Erfahrungsfülle, epischen Architektur und kulturkritischen Reflexion dieses deutschen Bürgerromans? Die Briefe geben dafür keine Erklärung.

Um so weniger, als sie auch keinerlei Aufschluß zu liefern vermögen über die Beziehungen des Verfassers von "Buddenbrooks" zum literarischen Leben der damaligen Zeit. Daß der junge Thomas Mann unberührt blieb von den damals wichtigen neuen Tendenzen der Kunst und Literatur, ist oft betont worden. Der Briefwechsel mit Heinrich unterstreicht es noch.

Heinrich Mann stand im Mittelpunkt der neuen Literatur. Daher seine Freundschaft mit Wedekind, seine Beziehungen zu Schnitzler, seine Bedeutung für die jungen Expressionisten. Thomas suchte die Gesellschaft belangloser Literaten wie Otto Grautoff und Kurt Martens, die sich dazu noch herzhaft reaktionär zu gebärden pflegten. Die späteren "Betrachtungen eines Unpolitischen" besitzen eine lange und nicht erfreuliche geistige und persönliche Aszendenz. Es gibt nur lose Berührungen etwa zu Hofmannsthal. Namhafter als Thomas Manns frühe Freunde sind seine ersten literarischen Gegner: Alfred Kerr oder Theodor Lessing.

Es ist kein Zufall, daß Thomas Mann später in sehr oft ungerechter Weise -- abgelehnt wurde etwa von Musil oder Döblin, Benn und Brecht, Jahnn und Arnold Zweig. In seiner Rede "Meine Zeit" von 1950 äußerte er Stolz darüber, nie einer literarischen Gruppe angehört zu haben. Aber es bestand nicht nur Anlaß zum Stolz. Auch hier war der Antagonismus zwischen Heinrich und Thomas Mann nicht zu überbrücken.

Abermals jedoch geht die Rechnung mit diesen beiden großen Schriftstellern nicht auf. Das eine sind die Gegensätze, das andere die sonderbaren Inkonsequenzen bei jedem von ihnen. Es gibt Überraschungen, welche an Thomas Manns indische Burleske von den "Vertauschten Köpfen" gemahnen.

Auf den ersten Blick erscheint Heinrich Mann im Briefwechsel als Repräsentant ernster und verantwortungsvoller Lebensführung, wogegen der jüngere Bruder sich als Bajazzo" Bohemien und moralisch verantwortungsloser Künstler stilisiert. Auch die Ingredienzen für den Hochstapler Felix Krull entnahm Thomas Mann dem eigenen Leben.

Andererseits schließt Thomas Mann eine großbürgerliche Ehe, stilisiert sich, diesmal mit erheblichen materiellen Kosten, den adäquaten Lebensstil. Heinrich dagegen wirkt in der Lebensführung betont gegenbürgerlich. Die beiden Ehen schließt er jeweils aus praktischen Erwägungen und unmittelbar im Zusammenhang mit einem Kriegsausbruch. Darin hielt er es wie Goethe, der erst durch Kriegsgefahr dazu gebracht wurde, Christiane Vulpius zu heiraten. Den Goethe-Roman einer literarischen Anverwandlung ("Lotte in Weimar") hinwiederum hat Thomas Mann geschrieben.

Der großbürgerliche Thomas Mann beruft sich, auf dem Höhepunkt der Familien- und Weltanschauungskrise, auf menschliche und künstlerische Würde. Er zitiert am 3. Januar 1918 Adalbert Stifter, der seine Bücher verstanden wissen wollte als "sittliche Offenbarungen, als mit strengem Ernste bewahrte menschliche Würde". Thomas Mann setzt hinzu: "Ich habe ein Recht, ihm das nachzusprechen, und Tausende, denen ich leben half -- auch ohne eine Hand auf dem Herzen und die andere in der Luft, den contrat social zu rezitieren -, sehen es. dieses Recht." Heinrich begegnet diesem literarischen Subjektivismus ganz ohne Glorifizierung der Literatur, daher ganz objektiv: "Ich weiß nicht, ob irgend jemand seinem Mitmenschen 'leben helfen' kann; nur möge unsere Literatur ihm dann nie zum Sterben verhelfen!"

Man hat den Eindruck, als sei die Würde auch im literarischen Sinn weit mehr bei Heinrich Mann zu finden als beim Verfasser der Erzählung "Wälsungenblut". Der Schriftsteller Thomas Mann hielt es, um Schillers Kategorien zu zitieren, auf die er sich auch in diesem Briefwechsel beruft und die sein essayistisches Werk in die große Schiller-Rede von 1955 münden ließen, weniger mit der Würde, eher mit der Anmut.

Schiller definierte: "Anmut ist eine Schönheit, die nicht von der Natur gegeben, sondern von dem Subjekte selbst hervorgebracht wird." Nicht wesentlich anders hat Thomas Mann seine eigene Literatur in der letzten Lebenszeit -- voller Skepsis -- charakterisiert. In ihren großen weltanschaulichen Auseinandersetzungen wirkt die Korrespondenz zwischen Heinrich und Thomas dann wie ein Briefwechsel zwischen der Würde und der Anmut.

Ästhetisch betrachtet, nämlich als Sprachkunstwerke, überzeugen Thomas Manns Schreiben weit weniger als diejenigen Heinrichs. Dem Bruder gegenüber scheint er sich bis zuletzt unfrei gefühlt zu haben: Da wollte er nicht, wie sonst recht oft, gleichsam "für die Nachwelt" formulieren -- und wurde sogleich literarisch klischeehaft.

Heinrich Mann dagegen steht, im Haß wie in der Liebe, dem Bruder durchaus frei und ungehemmt gegenüber. So kann er in den Briefen, wenn es um Literatur geht, genauso gültig formulieren wie in seinen großen Essays. Im amerikanischen Exil schreibt er über den Abschluß der Josephs-Romane an den Bruder: "Die Skepsis der Betrachtung, von Deinen bürgerlichen Stoffen übertragen auf einen verführerisch unkontrollierbaren, ergibt alle menschliche Glaubwürdigkeit. Als der bescheidene Vertreter des angewendeten Stils erscheint mir "der ruhige Mann": er ist auf alles gefaßt, da kann Unnatürliches nicht vorkommen."

Und weiter: "Die realistische Enthüllung einer Welt, die man unberührbar fern glaubte, läßt dennoch zu, daß sie ehrwürdig bleibt: sie wird es erst recht. Der ganze Grund ist, daß sie selbst, Eingeweihte und Masse, jeder auf seine Art, das Geistige achten, vor dem Unfaßbaren mehr Respekt haben als vor den 'wässerigen Dingen', wie eine Kapitel-Überschrift sagt."

Ein großer Kritiker, auch in der privaten Korrespondenz. Thomas Mann antwortet. und er hat verstanden: "Die Prosa (Heinrich Manns) ist einzigartig. Ich habe nicht zum erstenmal das Gefühl, daß diese kondensierte und intellektuell federnde Schlichtheit die Sprache der Zukunft, der neuen Welt ist." Er selbst, Thomas Mann, wurde stets dann zum großen Kritiker, wenn er sich seinem Gegenstand anverwandeln konnte. Heinrichs kritische Größe ist eine solche der Objektivität

Dieser Briefwechsel wirkt bisweilen romanhafter als vieles aus dem Roman-Schaffen der Brüder. Auch hier gibt es Vertauschungen bei der Verwandlung von Leben in Literatur. Ein erstaunliches Beispiel ist die Geschichte mit dem Streit der Frauen. Schwester Julia Mann benimmt sich, nach der Ansicht -von Heinrich, ungebührlich gegenüber Heinrichs damaliger Braut Ines Schmied. Thomas ergreift Partei für die Schwester und rügt das Verhalten der Ines. Der Zwist der Brüder beginnt als Entfremdung durch den Frauen-Streit. Jahrzehnte später schreibt Thomas Mann am "Doktor Faustus". Er übernimmt die Schwester Julia als Romanfigur. Der Vorname jedoch, den er dieser Kunstfigur beilegt, ist ausgerechnet -- Ines.

Fritz Oswald Bilse (31 March 1878 in Kirn, Rhine Province – 1951) was a German novelist, playwright and a lieutenant in the Prussian Army. He also used the pseudonymsFritz von der Kyrburg and Fritz Wernthal.

Life[edit]

Fritz Oswald Bilse was born in Kirn (present-day Rhineland-Palatinate, then PrussianRhine Province), the son of a schoolteacher, and grew up in the towns of Kirn and Eisenach. He joined the Prussian army in 1896 and in 1900 was posted with the 16. Train-Bataillon at Forbach in Lorraine. He rose to instant notoriety with his novel Aus einer kleinen Garnison. Ein militärisches Zeitbild (1903). In later editions, he used the pseudonym "Fritz von der Kyrburg", after his home town's most prominent landmark, the Kyrburg castle.

The book, in which Bilse satirizes the manners of the Forbach garrison and of the Prussian army in general, became a succès de scandale and was soon reprinted many times. Bilse's criticism, however, was so sharp, and the location and protagonists so little disguised, that several officers who felt their honour to be under attack prosecuted Bilse in a court-martial, the trial taking place at Metz from 9. to 13. November 1903. Bilse was found guilty of defamation of character, was discharged from the army dishonourably, and sentenced to six months' imprisonment. His novel was (temporarily) banned.[1]

The scandal only served to enhance Bilse's celebrity. He was henceforth described as the German army's enfant terrible; the novel became popular abroad, especially in France, where the label interdit en Allemagne was recognized as a badge of quality. Translations soon appeared, into French and also into English, the latter appearing in 1904 containing a detailed account of the court-martial and a foreword by the German-American author Theodore Dreiser, who praised Bilse as a great realist.[2] The book was also translated into other languages, e.g. into Dutch and Russian.

Thomas Mann referred to Bilse and his novel when he found himself subjected to a "trial by press" ("Preßprozeß") in his home town of Lübeck, a fictionalized description of which he had published in his own novel Buddenbrooks. Mann's essay "Bilse and I" ("Bilse und ich", 1906) defends the right of writers to fictionalize living persons, which had been held against Mann by several of the burghers of Lübeck. However, Mann was also at pains to draw a distinction between "taking liberties and the writer's freedom" ("Frechheit und Freiheit"). Mann further noted that his accusers had called Buddenbrooks a "Bilse-Novel" ("Bilse-Roman"), a phrase which, for a while, became synonymous with roman à clef in German.[3]

Bilse continued his new career as an author for a while, but his subsequent publications could not emulate the success of his debut. After a fifteen-year interruption, he resumed publishing in the mid-1920s with two novels which were once again of a political nature: In Gottes Mühlen. Roman aus einer großen Nation (1924), Bilse portrays a supposedly corrupt and decadent France;[4] whilst the supposed "negro novel" Die schwarze Welle (1925) testifies to Bilse's resentment at the occupation of the Rhineland by French troops of African origin.[5] Furthermore, Bilse was for a time editor of the journal Deutsche Heimat, which ariticulated nationalistic tendencies close to the "Bündische Jugend", associated with the so-called "conservative revolution".[6]

After his release from prison, Bilse moved around, living in Paris and London, then tending the estate of Frabertsham in Upper Bavaria, then living in Munich and ultimately near Groß-Ziethen. In 1946, he was elected to the state assembly of Brandenburg as a member of the Christian Democratic Union (East Germany).[7] No information can be found on the last years of his life; he died at Eberswalde, near Berlin, in 1951.[8]

Bilse is remembered as the subject of Mann's essay and in controversies surrounding the alleged infringement of personal rights in literary works. In Germany, the case of Bilse is cited as being exemplary to this day. A recent instance can be found in the long lawsuit over Maxim Biller's banned novel Esra (2003), which was compared to the Bilse controversy.[9]

Works[edit]

  • Aus einer kleinen Garnison. Ein militärisches Zeitbild (novel, 1903)
    • English translation: Life In A Garrison Town (1904)
  • Zwei Militär-Humoresken. Der Alarm. Ein glücklicher Reinfall (1903)
  • Das blaue Schloß. Roman in einem Vorkapitel und zwei Büchern (1904)
  • Wahrheit (play, 1904)
  • Fallobst (play, 1905)
  • Lieb' Vaterland. Roman aus dem Soldatenleben (1905)
  • Die große Schlacht (play, 1906)
  • Stille Wege (novel, 1907)
  • Verklärung (novel, 1909)
  • Die Technik des Romans (1909)
  • Gottes Mühlen. Roman aus einer großen Nation (1924)
  • Die schwarze Welle. Ein Negerroman von Afim Assanga, bearbeitet und herausgegeben von Fritz Oswald Bilse (1925)
  • Wie kann der Bauer die jetzigen und kommenden schweren Zeiten überstehen und ohne besondere Mehrkosten seine Erträge verdoppeln? : Praktische Ratschläge für den Bauernstand (1928)

Notes[edit]

External links[edit]

Fritz Oswald Bilse, around 1905
Cover of Aus einer kleinen Garnison, 1904 edition
  1. ^Details concerning the novel and the scandal can be found in: R. Reissmüller, "'Aus einer kleinen Garnison'. Der Roman des Leutnants Bilse aus dem Jahre 1903. Aktuelle Wirkung und späte Folgen einer frühen Wilhelminismus-Kritik", in: Imprimatur 10 (1982); Hartwig Stein, "Der Bilse-Skandal von 1903. Zu Bild und Zerrbild des preußischen Leutnants im späten Kaiserreich", in: Karl Christian Führer/Karen Hagemann/Birthe Kundrus (eds.), Eliten im Wandel. Gesellschaftliche Führungsschichten im 19. und 20. Jahrhundert. Für Klaus Saul zum 65. Geburtstag (Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot, 2004), pp. 259-278.
  2. ^Fritz Oswald Bilse, Life In A Garrison Town; the military novel suppressed by the German Government, by Lieutenant Bilse. The authorized translation of "Aus einer kleinen Garnison." With a foreword by Theodore Dreiser, an introduction by Arnold White, and a summary of the court-martial (London: John Lane & Co., 1904).
  3. ^Thomas Mann, „Bilse und ich“, in idem, Gesammelte Werke in zehn Bänden (Frankfurt/Main: S. Fischer, 1925), vol. 9, pp. 3-17. On the controversy see Heinrich Detering: „Thomas Mann oder Lübeck und die letzten Dinge. Buddenbrooks, Stadtklatsch, Bilse und ich“, in: idem.: Herkunftsorte. Literarische Verwandlungen im Werk Storms, Hebbels, Groths, Thomas und Heinrich Manns (Heide: Boysens 2001), pp. 166–193.
  4. ^See Franz Rottensteiner, Article Gottes Mühlen, in: Franz Rottensteiner und Michael Koseler (eds.), Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur (Meitingen: Corian Verlag, 1989ff.; 3. Erg.-Lfg. November 1989).
  5. ^See Véronique Porra, "Autour du Batouala de René Maran en Allemagne: intégration idéologique de discours littéraires et politiques dans le roman d’Afim Assanga / Fritz Oswald Bilse Die Schwarze Welle (La vague noire), 1925", in: Anne-Rachel Hermetet (ed.), La réception du roman français contemporain dans l’Europe de l’entre-deux-guerres (Lille: Editions du Conseil Scientifique de l’Université Charles-de-Gaulle-Lille 3, 2002), pp. 145-161.
  6. ^On "Deutsche Heimat" see Armin Mohler, Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch, 5th ed. (Graz: Leopold Stocker Verlag, 1999), p. 299. Bilse's editorship is mentioned in the article in the Berger/Rupp encyclopaedia (see note below).
  7. ^Konrad Feilchenfeldt (ed.), Deutsches Literatur-Lexikon: Das 20. Jahrhundert (Berne and Munich, K.G. Saur, 2001); vol. 2, cols. 633f. Includes an extensive bibliography. Further biographical information may be found in B. Berger, H. Rupp (eds.), Deutsches Literatur-Lexikon (Berne and Munich: Francke, 1968), vol. 1, col. 508; Reinhard Tenberg, article "Bilse, Fritz Oswald", in: Walther Killy et al. (eds.), Literatur Lexikon (Gütersloh and Munich: Bertelsmann Lexikon Verlag, 1988), p. 510f.
  8. ^The year of Bilse's death, while not listed in the relevant encyclopaedias, was recently established by the local historian Dr. Ulrich Hauth, who presented his findings in a lecture given in Kirn in November 2007, as well as in a newspaper article: "Ein Schlüsselroman wird zum Skandal - Wie Fritz Oswald Bilse zu Ruhm gelangte", Allgemeine Zeitung, Kirn edition, 23. November 2007
  9. ^See e.g. Dieter Borchmeyer, "Literatur vor Gericht: Die Beute, das Persönlichkeitsrecht, und die Freiheit der Kunst", in: Frankfurter Rundschau, 14. October 2003; Joachim Feldmann, "Bilse und Biller: Gerichte sollen sich aus Kunstfragen heraushalten", in: Freitag, 24. October 2003; Michael Ansel, „Buddenbrooks, Bilse und Biller“Archived 2007-10-23 at the Wayback Machine., lecture, Evangelische Akademie Tutzing, February 2007.
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